FAQ

Sprachkenntnisse

Erfahrungswerte zeigen, dass UMA regelmäßig nach drei Monaten bereits den Großteil der Kommunikation rund um sie herum verstehen können. Nach insgesamt rund sechs Monaten sind sie in der Lage, sich in den wichtigsten alltäglichen Lebensbereichen zu verständigen und benötigen lediglich in besonderen Lebenslagen oder bei spezifischen Themen Unterstützung durch DolmetscherInnen.

Einige Kinder sprechen ein bisschen Englisch, das macht den Anfang leichter. Es gibt aber auch Jugendliche, die nur ihre Herkunftssprache sprechen. Damit es am Anfang für alle in der Gastfamilie leichter ist, können wir Ihnen für wichtige Besprechungsthemen mit einem/einer DolmetscherIn aushelfen. Das kann bedeuten, dass der/die DolmetscherIn zu Ihnen kommt, um eine ganze Besprechungsliste abzuarbeiten, oder dass Sie ihn oder sie als „Telefonjoker“ anrufen können, um eine wichtige Nachricht zu überbringen.

Ausbildung

Viele Jugendliche haben bereits in ihrer Heimat über mehrere Jahre die Schule besucht, manche sind jedoch noch nicht alphabetisiert. Je nach Vorbildung kann Ihr Gastkind in Österreich in eine Schule einsteigen oder besucht zuerst einen Alphabetisierungskurs und einen Basisbildungskurs, bevor es den Pflichtschulabschluss macht. Deutschkurse werden regelmäßig durch alle unbegleiteten minderjährigen AsylwerberInnen besucht. Wie Sie Ihr Gastkind im Bildungsbereich optimal unterstützen, beraten wir Sie im Rahmen unserer Gastfamilienbegleitung.
Obwohl AsylwerberInnen kaum arbeiten dürfen, gibt es die Möglichkeit für unter 25-Jährige in manchen Berufen eine Lehrstelle zu beginnen.

Junge oder Mädchen

Die meisten unbegleiteten minderjährigen AsylwerberInnen die nach Österreich kommen, sind Burschen, nur 2-4 % der UMA sind Mädchen. Insofern ist der Bedarf an Gasteltern für Burschen höher als jener für Mädchen. Grundsätzlich kann man weder sagen, dass Burschen oder Mädchen leichter zu betreuen sind, sie haben jedenfalls andere Bedürfnisse, da im Herkunftskontext der meisten Jugendlichen Burschen und Mädchen anders erzogen werden und die Herkunftsfamilie andere Erwartungen an sie hat. Selbstverständlich berücksichtigen wir Ihren Wunsch nach einem Jungen oder einem Mädchen.

Herkunftsfamilie

Das Gastkind hat eine Herkunftsfamilie, je nach Kind und familiärer Situation steht es mit der Familie in Kontakt. Manche Jugendlichen haben Ihre Familie auf der Flucht verloren oder keine Kontaktdaten mehr. Wir klären mit dem/der Jugendlichen vor der Vermittlung ab, ob es bereit ist sich auf eine neue Familie einzulassen und erklären ihm/ihr auch, dass es nicht bedeutet die Herkunftsfamilie aufgeben zu müssen. In vielen Fällen hat es sich als sehr wertvoll erwiesen, als „neue“ Eltern mit der leiblichen Familie (mittels DolmetscherIn) in Kontakt zu treten. Die leiblichen Eltern waren meist sehr dankbar zu wissen, dass ihr Kind gut betreut ist und in einer Familie liebevoll aufgenommen wurde.

Je nach Herkunftsland und Alter des Kindes und zu erwartendem Asylverfahrensausgang wird durch Gastkinder und/oder deren Familie eine Familienzusammenführung angestrebt. Dafür muss Ihr Gastkind ein positiv abgeschlossenes Asylverfahren haben und erst dann können die Eltern gemeinsam mit ihren minderjährigen Kindern bei einer österreichischen Botschaft einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen. Dieses Verfahren nimmt einige weitere Monate in Anspruch, bis eventuell, die leibliche Familie ebenfalls nach Österreich kommen kann. Sollte bei ihrem Gastkind eine Familienzusammenführung Thema werden, begleiten wir Sie durch diese für alle Beteiligten aufregende Phase.

Reisen

So lange sich das Gastkind im offenen Asylverfahren befindet, darf es das Land nicht verlassen, da sonst das Verfahren eingestellt werden würde. Nach positivem Abschluss des Verfahrens darf das Gastkind mittels Konventionspass oder Fremdenpass in alle Länder der Erde reisen, außer in sein Heimatland. Wenn Sie mit dem Kind dann auf Reisen gehen, müssen Sie sich lediglich vergewissern, ob es ein Visum für das jeweilige Reiseziel benötigt.

Sollten Sie verreisen (müssen) und das Gastkind (noch) nicht mitnehmen können, weil das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, lassen Sie das Gastkind z.B. durch die Oma, Tante oder andere zuverlässige Person betreuen, bei der/dem Sie auch ihre leiblichen Kinder guten Gewissens in Österreich lassen würden. Wenn Sie z.B. einen guten Draht zu anderen Gasteltern haben, lässt es sich eventuell vereinbaren, dass Ihr Gastkind die Zeit dort verbringt.

Eigene Kinder

Dass Sie eigene Kinder haben, wird viele Gastkinder freuen, immerhin kommen sie nicht selten aus größeren Familien und haben auch in der Heimat mit Schwestern und Brüdern zusammengelebt. Wenn Ihre eigenen Kinder bereits ausgezogen sind, hat dies manchmal auch Vorteile, es kommt seltener zu Eifersucht und Sie haben tendenziell mehr Zeit sich dem Gastkind zu widmen.

Wir konnten bereits in einigen Familien miterleben, dass leibliche Kinder eifersüchtig geworden sind. Für gewöhnlich hat sich das jedoch nach etwa zwei bis drei Monaten gelegt, nachdem das aufgenommene Kind „angekommen“ ist und die familiären Abläufe zur Routine geworden sind.



Bei herkömmlichen Pflegefamilien (Aufnahme eines Babys oder eines Kleinkindes) muss das Pflegekind als jüngstes Kind aufgenommen werden. Bei Gastfamilien ist dies nicht zwingend vorgesehen, das Gastkind darf auch älter als die leiblichen Kinder sein. Wir haben hier bereits schöne neue Geschwisterkonstellationen erlebt, auch ein großer Bruder kann eine große Bereicherung sein! Je nach Alter und dementsprechender Einsichtsfähigkeit der eigenen Kinder haben sie sich mit der neuen Situation schneller oder weniger schnell angefreundet. Sowohl gleichaltrige Geschwisterkonstellationen haben ihre Vorteile, als auch eine gewisse Altersdifferenz, so kommt es zu weniger Konkurrenzdenken zwischen den Kindern.

Religion

Die meisten Gastkinder kommen aus Afghanistan oder Syrien und sind somit in muslimisch geprägten Ländern aufgewachsen. Manche Gastkinder sind religiöser als andere. Sie können jedenfalls damit rechnen, dass Ihr Gastkind kein Schweinefleisch essen wird. Auch der Ramadan hat für nicht besonders religiöse Jugendliche eine große Bedeutung. Selbst wenn sie selbst nicht fasten, treffen Sie sich am Abend zum Fastenbrechen (Ifta) gerne mit anderen feiernden MuslimInnen. Mit gegenseitigem Respekt und etwas Toleranz kommt es in der Gastfamilie aufgrund unterschiedlicher Religion jedoch nicht zu Unstimmigkeiten.

Alleinstehend

Wenn Sie alleinstehend sind, ist dies kein Hinderungsgrund ein Gastkind aufzunehmen, sofern Sie alle Voraussetzungen zur Aufnahme erfüllen.

Selber MigrantIn

Dass Sie selbst als Migrant oder Migrantin nach Österreich gekommen sind, hindert die Aufnahme eines Gastkindes nicht. Sie müssen auch nicht österreichische/r StaatsbürgerIn sein, jedoch ihren Lebensmittelpunkt in Österreich haben. Viele MigrantInnen besuchen gerne ihre erste Heimat – während Ihr Gastkind ein laufendes Asylverfahren hat, dürfen Sie es noch nicht mitnehmen. Es gilt für Sie, was beim Punkt „Reisen“ genannt ist, wenn Sie eine zuverlässige Betreuungsperson haben, der Sie auch ihr eigenes Kind anvertrauen würden, dann steht der Aufnahme eines Gastkindes nichts im Wege.

Unterschied Patenschaft

Bei Gastfamilien lebt der/die Minderjährige bei den Gasteltern, eine Patenschaft hat den regelmäßigen Kontakt mit einem/einer unbegleiteten minderjährigen Fremden zum Ziel, welche/r in einer Wohngemeinschaft in Wien lebt. Bei einer Patenschaft lernen Sie nach einer Schulung eine/n Jugendliche/n kennen und verbringen mit ihm/ihr gemeinsame Freizeit und unterstützen die Integration des/der Jugendlichen. Theoretisch ist es möglich, dass daraus später eine gemeinsame Familie wird, jedoch wird dieses Interesse bei den Jugendlichen vor der Vermittlung einer Patenschaft nicht abgefragt. Wenn Sie sich für eine Patenschaft in Wien interessieren, wenden Sie sich bitte an das Projekt „connecting people“ der „asylkoordination österreich“.

Es gibt schon ein konkretes Kind

Wenn Sie bereits eine/n konkrete/n Jugendlichen kennen, welche/n Sie aufnehmen möchten, (z.B. beim ehrenamtlichen Helfen kennengelernt, oder weil Sie bei einer Patenschaft beschlossen haben, dass Sie eine Gastfamilie werden möchten), sind wir Ihnen bei den bürokratischen Schritten behilflich, um eine Gastfamilie zu werden.

Volljährigkeit

Wenn Ihr Gastkind volljährig wird, gilt es nicht mehr als unbegleitete/r minderjährige/r Fremde/r sondern als Erwachsene/r. Wenn Sie es alle möchten, kann das Kind nach wie vor bei Ihnen leben. Österreichische Kinder ziehen auch nur im seltensten Fall am Tag ihrer Volljährigkeit aus. Für Sie als Gastfamilie ändert sich mit der Volljährigkeit die finanzielle Situation, da wir Ihnen keine Gastfamilienunterstützung mehr auszahlen können. Wenn das Asylverfahren des Gastkindes bereits abgeschlossen ist, wissen Sie Ihr Gastkind entweder mittels einer Lehrstelle oder der bedarfsorientierten Mindestsicherung jedenfalls finanziell versorgt. Wenn das Gastkind noch kein abgeschlossenes Asylverfahren hat, dann ist es möglich, dass es als Privatwohnende/r weiter bei Ihnen lebt. Die finanzielle Unterstützung aus der Grundversorgung beträgt hier rund die Hälfte der Gastfamilienunterstützung. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Ihr Gastkind in eine Wohnform der Grundversorgung umzieht. Welche Lösung für Sie als Gastfamilie die Richtige ist, besprechen wir gemeinsam im Rahmen der Begleitung Ihrer Gastfamilie und bereiten Sie auf diese Situation vor.

Wenn es nicht funktioniert

Wenn es aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollte, dann können sowohl Sie als auch das Gastkind an uns herantreten. Sollte es sich nur um einen vorrübergehenden Konflikt handeln, versuchen wir diesen gemeinsam mit Ihnen zu lösen. Bei unüberwindbaren Differenzen begleiten wir Sie bei der Auflösung des Gastfamilienverhältnisses. Wir haben bereits zwei Auflösungen von Familienkonstellationen begleitet. Der Wunsch zur Auflösung ging hier jeweils von den Kindern aus und nicht von den Eltern. Die Kinder waren in der jeweiligen Familie nicht glücklich. Innerhalb von zwei Wochen konnten wir eine neue Unterbringungsform organisieren. (Einmal war es eine andere Familie und einmal eine Wohngemeinschaft.)