Schulung

In Form einer dreitägigen Schulung werden Sie auf Ihre Aufgabe als Gasteltern vorbereitet. Hierbei erhalten Sie Informationen zum Asylverfahren, Flucht und Trauma und dem Thema Obsorge, sowie ganz spezifische Informationen, die Ihnen den Start als Gasteltern erleichtern, wie Herkunftslandinformationen und zum Islam.

Die Schulung wird durch eine/n MitarbeiterIn des Projekts begleitet, wodurch Sie die Gelegenheit haben, jederzeit Fragen zu stellen.

Da Sie die Schulung gemeinsam mit anderen potentiellen Gasteltern besuchen, besteht für Sie hier die erste Möglichkeit zur Vernetzung untereinander. Als Menschen mit derselben Aufgabe bieten andere Gasteltern eine gute Ressource, es gibt die Möglichkeit zu unbürokratischem Austausch und gegenseitiger Hilfestellungen. Beispielsweise ermöglicht der intensive Kontakt untereinander die gegenseitige Vertrauensbildung, um in einer Notsituation (z.B. kurzfristiger unaufschiebbarer Auslandsaufenthalt) das eigene Gastkind vielleicht für kurze Zeit bei anderen Gasteltern gut betreut zu wissen.

Vermittlung

Nachdem wir potentielle Gasteltern und Gastkindern kennengelernt haben und ähnliche Interessen und Vorstellungen sehen, wird ein Anbahnungsvorschlag gemacht. Sollte dieser Vorschlag die Zustimmung aller Beteiligten finden, wird der Kennenlernprozess durch eine MitarbeiterIn des Projekts und mittels DolmetscherIn unterstützt und bis zum Umzug begleitet.

Das erste Kennen lernen ermöglicht ein „Beschnuppern“, Gespräche der potentiellen Gastfamilienmitglieder und soll die Möglichkeit bieten, alles zu erfragen, was für das Gastkind oder die Gasteltern wichtig erscheint.

Wenn das erste Treffen einen positiven Eindruck hinterlassen hat, wird gemeinsam die weitere Anbahnung geplant. In der Folge werden weitere Treffen mit einer/einem MitarbeiterIn des Projekts und einem/einer DolmetscherIn vereinbart, sowie die Möglichkeit geboten, dass sich die potentielle Gastfamilie ohne Begleitung treffen und kennen lernt. Dies beinhaltet insbesondere gemeinsame Ausflüge und den Besuch des/der Minderjährigen bei den potentiellen Gasteltern in deren Wohnung/Haus, sowie die Zusammenkunft aller beteiligten Familienmitglieder der Gastfamilie und gegebenenfalls einer engen Bezugsperson des Gastkindes.

Wird von allen Beteiligten der Wunsch des Zusammenlebens geäußert, veranlasst der/die zuständige MitarbeiterIn des Projekts die Abwicklung der notwendigen bürokratischen Prozesse für den Umzug, und das Gastkind wird durch die Gasteltern aufgenommen.

Beratung, Begleitung, Betreuung


Durch das Projekt werden nur Gastfamilienverhältnisse angebahnt, bei denen davon auszugehen ist, dass das Gastkind von seiner Gastfamilie liebevoll aufgenommen wird und die Bereiche der Pflege und Erziehung durch die Gasteltern mit bestem Wissen und Gewissen ausgeübt werden.

Das Projekt hat den Anspruch die Gasteltern bei dieser Aufgabe zu unterstützen, diese jedoch nicht zu ersetzen. Ziel des Betreuungsprozesses durch uns ist es, die Gastfamilie als Gesamtes zu unterstützen und zu begleiten, die bestmögliche Entwicklung des Gastkindes im Auge zu haben.

Wir können folgende Betreuungs- und Begleitinstrumente anbieten:
  • Hausbesuche
  • Beratungsgespräche für das Gastkind
  • Beratungsgespräche für die Gasteltern
  • Beratungsgespräche für Geschwisterkinder (bei Bedarf)
  • Austauschgruppen für die Gastkinder
  • Austauschgruppen für die Gasteltern
  • Informationsveranstaltungen und Workshops
  • Freizeitaktivitäten für Gastkinder
  • Freizeitaktivitäten für Gastfamilien
  • Dolmetsch bei Sprachbarrieren

Nach dem Umzug des Kindes wird gemeinsam mit Ihnen als Gastfamilie ein Betreuungsplan erarbeitet. Dieser Betreuungsplan wird jeweils individuell konzipiert und berücksichtigt folgende Aspekte:
  • Alter des Gastkindes
  • Entwicklungsstand des Kindes
  • Schulische Vorbildung des Kindes und Ausbildungsperspektiven
  • Sprachkompetenzen des Gastkindes
  • Zeitliche Ressourcen der Gastfamilie
  • Grad der Selbstständigkeit des Gastkindes
  • Perspektiven und Ziele

Jede Gastfamilie wird möglichst kontinuierlich durch eine/n gleichbleibende/n MitarbeiterIn des Projekts betreut und begleitet. Das Gastkind erhält eine muttersprachliche Vertrauensperson, an die es sich bei Unsicherheiten, Konflikten oder Beschwerden wenden kann.

Finanzielles

Als Gasteltern übernehmen Sie einerseits eine verantwortungsvolle Aufgabe und andererseits kosten Kinder Geld. Ihre Hilfsbereitschaft soll nicht davon abhängig sein, ob sie es sich leisten können, einem Kind ein neues Zuhause zu geben, insofern erhalten Sie von uns als Gastfamilie eine finanzielle Unterstützung.

Diese Beträge, welche Gastfamilien erhalten, sind jenen Beträgen vergleichbar die Pflegeeltern für die Betreuung von (österreichischen) Kindern erhalten, die nicht in ihrer Familie aufwachsen können, da sich die leiblichen Eltern nicht um sie kümmern können.



Alter des Gastkindes Betrag pro Monat Betrag pro Jahr
15. Lebensjahr EUR 700 EUR 8.400
ab dem 15. Lebensjahr EUR 753 EUR 9.040

 Der monatliche Betrag wird geteilt ausgezahlt, das Gastkind erhält von uns 40 € Taschengeld und der restliche Betrag wird an die Familie ausbezahlt um den monatlichen Bedarf an Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, Schulartikeln, anteilige Wohnungs- und Energiekosten sowie den Aufwand für eine altersgemäß gestaltete Freizeit zu decken.



Obsorge und Verantwortung

Für leibliche Kinder haben für gewöhnlich die Eltern die Obsorge, diese gliedert sich in drei Teilbereiche: die Pflege und Erziehung, die gesetzliche Vertretung und die Vermögensverwaltung. Für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen beantragt die Stadt Wien, MAG ELF – Amt für Jugend und Familie die Obsorge beim zuständigen Bezirksgericht. Da die leiblichen Eltern eines/einer unbegleiteten minderjährigen Asylwerbers oder Asylwerberin selten die Obsorge aus dem Ausland ausüben können, überträgt das Gericht die Obsorge mittels Beschluss an die MAG ELF. Diese wiederum überträgt Ihnen als Gasteltern die Pflege und Erziehung und die gesetzliche Vertretung im Rahmen der Pflege und Erziehung. Andere Teile der gesetzlichen Vertretung verbleiben bei der MAG ELF. Das bedeutet, dass die MAG ELF Ihr Gastkind durch das Asylverfahren begleitet, Sie müssen sich hierzu nicht um einen Anwalt oder eine Anwältin kümmern, dürfen Ihr Gastkind jedoch als Vertrauensperson beim Verfahren begleiten.

Die Pflege und Erziehung wird Ihnen bis zur Volljährigkeit des Gastkindes übertragen und nicht grundlos wieder entzogen. Sollte es jedoch zu unüberwindbaren Differenzen zwischen Ihnen und dem Gastkind kommen, so ist die MAG ELF – Amt für Jugend und Familie – für das weitere Wohlergehen des Kindes verantwortlich. Hätten Sie hingegen die Obsorge für das Kind, könnten Sie diese nicht einfach zurücklegen.

Die Vermögensverwaltung ist bei unbegleiteten minderjährigen AsylwerberInnen bei der Ankunft meist weniger relevant, das kann sich jedoch ändern, wenn Ihr Gastkind z.B. eine Lehrstelle absolviert und eine Lehrlingsentschädigung erhält. Dieser Zuverdienst beeinträchtigt nicht Ihre Gastelternunterstützung. Das Gastkind erhält davon vorläufig 110 € pro Monat (Zuverdienstgrenze im Rahmen der Grundversorgung) und der restliche Betrag wird für Ihr Gastkind angespart und mit Erreichen der Volljährigkeit ausbezahlt.